Auf Trolljagd

DSC_0098Bei der ersten „Nacht der Drachenfliege“ im Periplaneta Literaturcafé Berlin, in der es ausschließlich um phantastisch fantastische Texte und Lieder ging, durfte auch ich mein Schärflein dazu beitragen.

DSC_0097Neben den willkommenen Gästen (das Publikum) und den eingeladenen (Kalion-Welt-Erschaffer Aleš Pickar, Moderator und „Steve-Bürk-Double“ Thomas Manegold und Stahlstricklautenzupfzauberer Josias Ender), gab es auch ein drolliges, aufgekratztes Grüppchen, das schon viel zu tief in den Gerstensaft-Aludosen-Humpen geguckt hatte. Die wilde Bande konnte Trollbeauftragter Tom jedoch durch den Hinweis: „Während der künstlerischen Darbietung ist die Theke geschlossen!“, in Angst und Schrecken versetzen. Und sie trollten sich. – So einfach ist das manchmal 😉

DSC_0096Der Minne-Blogger Montbron hat einen geradezu phänomenal kreativen Livebericht über den Abend geschrieben, der fast schon einem schillernden Märchen gleicht.
Doch bunt ist immer schöner als Alltagsgrau – und dementsprechend glich die erste „Nacht der Drachenfliege“ im Zeichen der Libelle (engl. dragonfly; nur für all jene, die es noch nicht wussten) eher einer prickelnden, grasgrünen Maibowle als einem gelbblässlichen Kamillentee.
Ich bin hochgradig erfreut, dass auch andere ihren holden Spaß dabei hatten und dass am 19. August 2017 schon die nächste „Drachenfliege“ in die Nacht schwirren wird.

Livebericht von Montbron

Covergirl

Nein, ich bin auf keinem Cover 🙂  Aber bei Bedarf hole ich die Kamera hervor, um das ein oder andere Objekt ins rechte Licht zu setzen. Über die letzten Jahre sammelten sich da so einige Cover an.
Am Anfang eines Projekts gibt es meistens nur den Buch-Titel, ohne eine konkrete Cover-Idee. Aber es gibt Vorgaben (Corporate Design), das Cover-Motiv muss den Inhalt repräsentieren, darf ihn aber nicht spoilern, und sollte am liebsten noch hintersinnig sein und vor allem zielgruppenkompatibel.
Manchmal braucht man Ewigkeiten, bis man eine Idee hat, manchmal geht es ganz fix. Aber spannend ist es immer 😉

Hier ein kleine Auswahl meines photographischen Cover-Schaffens:

Laemmels SyndromEs ist eine  Ironie, dass man in einem Kreativbetrieb immer wieder sich zwischen kreativ und Betrieb entscheiden muss. Ein ungleiches Duell. Aber zwischen Bürokratien und Verlagsalltag bekommt man dann doch manchmal Gelegenheit, etwas Kreatives zu tun. Ich habe ein  Cover gemacht. Zum Roman „Lämmels Syndrom“, der pünktlich am 18.3. zum Indiebookday erscheinen soll. Ja, 2017. Ja, wenn ich weiter dran rummale und die wichtigen Verlagsdinge vernachlässige, dann schaffen wir das nie…  🙂

Wie unabhängig ist Independent eigentlich?

aids-1886383_1280Es gibt Interviewfragen, deren Beantwortung man quasi aus dem Ärmel schüttelt.  So Standards à la „Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen, einen Verlag zu gründen?“ – oder ganz forsch: „Kann man davon leben?“
Und dann kommt so ein renommiertes, alteingesessenes Fantasy-Portal daher und fragt mich Dinge, über die ich wirklich nachdenken musste: „Wie unabhängig ist Independent eigentlich?“ und: „Man bekommt den Eindruck, ihr seid zu wenig Leute für all diese Projekte! Wie schafft ihr das?“
Wenn solche Fragen die Selbstrefelxion anregen, dann hat der Interviewer irgendetwas richtig gemacht. Ralf Steinberg hat also nicht nur für seine FantasyGuide.de-Leserschaft interessante Antworten herausgekitzelt, sondern auch für mich.
Wer an meinem Erkenntnisgewinn teilhaben möchte, dem sei dieses Interview empfohlen:

http://fantasyguide.de/interview-marion-alexa-mueller.html

Fabeleien in den Dresdner Messehallen

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Am 5. und 6. November findet zum fünften Mal die Literaturmesse schriftgut auf dem Messegelände Dresden statt. Mein über alles geliebter Periplaneta Verlag ist nicht nur mit einem Stand vertreten, ich werde dort auch eine „fabelhafte“ Lesung haben:
Am Sonntag (13:00 – 13:30 Uhr) lese ich auf der Bühne 1 ausgewählte Geschichten aus meinem Lesebühnenprogramm “Jedem Tierchen sein Pläsierchen“. Und ja, zum Schluss ist immer einer tot – man weiß nur nicht, wer genau sterben wird und warum. Da werden Schafe zu Bestien und Tintenfische zu Überzeugungstätern. Oder vielleicht auch umgekehrt?!  😉

Von den Organisatoren der Dredner Lesemesse wird ein „einmaliger Mix zwischen Produktschau und interaktiven Erlebnismöglichkeiten rund um das Thema Lesen“ versprochen. Zeitgleich zur schriftgut findet auch die Spielemesse spielraum und die Kunstmesse NEUE ArT statt. Mehr Kultur geht also wirklich nicht.

Du findest mich und den Periplaneta Verlag in der Messehalle 3, Stand D-01. Ich freue mich auf Deinen Besuch!

Messe Öffnungszeiten:
Samstag, 5. November: 10 bis 20 Uhr
Sonntag, 6. November: 10 bis 18 Uhr

MESSE DRESDEN

Messering 6
01067 Dresden

Ab in den Westen!

Marion Alexa Müller -periplaneta

Ich mach mal rüber … und bringe Texte und Fabeleien mit. Am 03.09.16 bin ich um 19.00 Uhr beim „Lachen statt Fernsehen Festival“in Berlin-Charlottenburg zu Gast, zusammen mit Conor Kilkelly (Irish Folk).

„Mit Witz und einer gesunden Portion Sarkasmus berichtet Marion Alexa Müller über das Schicksal von Menschen und anderen Tierchen. Weil sie schon immer fand, dass Tiere die Welt viel besser erklären können, schreibt die Berliner Lesebühnenautorin am allerliebsten Fabeln. In ihren Geschichten wird rebelliert, geliebt, gehasst und manchmal auch gestorben. Das Publikum hat dabei erschreckend viel zu lachen und geht definitiv immer klüger nach Hause.
Conor Kilkelly ist ein junger Singer/Songwriter aus Irland, der ganz wunderbar Gitarre spielt und die musikalische Hälfte des Abends bestreitet.“

Unter dem Motto „Die Besten mal im Westen“ findet vom 28.08. bis zum 08.09.16  das geradezu exzessives Lesefestival statt. 10 Tage lang treten jeweils ein Autor und ein Musiker für zwei Stunden vor die jubelnde Menge (u.a. mit Ahne, Robert Rescue, Dirk Bernemann, Karsten Lampe, Bastian Mayerhofer, Johannes Krätschell, Juston Buße, Roman Schamov, u.v.a. …)
Ich fühle mich sehr geschmeichelt, dass ich auch eingeladen wurde und empfehle, bei diesem exquisiten Line-Up einfach vor der Location zu campen, um ja nichts zu verpassen … (das ganze Programm gibt es HIER)

Bei gutem Wetter finden die Shows übrigens draußen statt. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

insel-projekt.berlin
Mindener Straße 22
10589 Berlin-Charlottenburg

 

Kultur? – Am Arsch!

Die Hintergründe zum VG-Wort-Urteil.

Letzte Woche (21.04.16) ist etwas sehr sehr Schlimmes passiert. Leider ist das, was da vom Bundesgerichtshof entschieden wurde, so komplex und branchenspezifisch, dass der „normale Mensch“ es erst mal gar nicht mitbekommen wird. Das Urteil zur VG Wort wird die Kulturlandschaft in Deutschland nachhaltig verändern. Viele Verlage werden Insolvenz anmelden, Stellen werden gestrichen, die Verlagsprogramme werden zusammengekürzt, Wissenschaftsverlage werden weniger qualitativ arbeiten können und Bücher werden teurer.

Überhaupt scheint im Kultursektor gerade alles zusammenzubrechen. Die Menschen, die Deine kulturelle Vielfalt garantieren, also die es Dir ermöglichen, coole Songs, inspirierende Texte, spannende Romane, schöne Bildbände zu finden, die sind gerade echt am Arsch, weil sie im dreistelligen Millionenbereich Gelder zurückzahlen müssen. Und da geht es nicht um Boni von Vorständen, sondern um Gelder, die zur Reinvestition in Kulturgüter genutzt wurden. Wenn Verleger böse Kapitalisten wären, wären sie nicht Verleger, sondern Banker oder Industrielle. In unserer Branche dominiert doch noch tatsächlich das Herzblut … (Schon allein wegen der geringen Gewinnspannen. Ein Buch bringt, nach Abzug der Vertriebskosten von 55% des Ladenpreises manchmal gerade so seine Herstellungskosten wieder rein.) Sehr traurig finde ich in den Diskussionen darüber den Trend, dass Menschen diesen Idealismus mit Dummheit und wirtschaftlichem Unvermögen gleichsetzen.

Derzeit wird das VG Wort-Urteil in vielen Medien diskutiert, viele finden es fair, andere finden es katastrophal und noch mehr haben zwar eine Meinung, wissen aber gar nicht, um was es da eigentlich geht. Wir möchten Dir deshalb ein paar grundlegende Dinge erklären und wir versuchen, es so einfach wie möglich zu halten. So wie bei der Sendung mit der Maus – nur eben für Dich:

Wir fangen mit unserer Erklärung bei einem sehr einfachen Ablauf an: Wenn Du ein Buch oder eine CD kaufst, dann bekommt sowohl der Verlag einen Anteil am Verkaufserlös als auch der Urheber (Autor / Musiker / Fotograf). Ein verkauftes Produkt bringt soundsoviel für den, der es sich ausgedacht hat und soundsoviel für den, der es hergestellt/gestaltet/ finanziert hat. Das ist ein einfacher Vorgang und jetzt nichts sonderlich neues …

Verwertungsgesellschaften (VGs) sind Vereine, die sich um Zweitnutzungsrechte kümmern – also wenn ein künstlerischer Inhalt nicht direkt entgeltet wird, wenn kein Verkauf stattfindet. Das wäre ja auch zu blöd, wenn Du für jedes Lied, das Du im Radio hörst, für jede Kopie, die Du in der Bibliothek ziehst, für jedes Buch, das Du ausleihst oder für jeden Text, den Du im Fernsehen präsentiert bekommst, jemanden etwas überweisen müsstest. Die VGs bündeln diese Nutzung und nehmen uns allen also sehr viel Papierkram ab. Zu den VGs gehören die Gema, die VG Bildkunst und die VG Wort (auf letztere und hier speziell auf die Belletristik werden wir dann das Hauptaugenmerk lenken, sonst wird es zu verwirrend.)

Die VGs haben bisher “breit” eingenommen, d.h. sie haben viele kleine Beträge bei vielen Zweitnutzern eingesammelt: bei den Bibliotheken, den Herstellern von Kopierern, Radio- und Fernsehsendern, Speichermedienherstellern, ect.pp. Und sie haben dann ihre Einnahmen auch “breit” verteilt: viele kleine Beträge an viele Urheber  – UND an die Verlage, die aus der Idee der Urheber ein fertiges Produkt gemacht und die Herstellung finanziert haben und die die Werke den Zweitnutzern auch zur Verfügung stellen, jedenfalls machen wir das so. Denn ein Demo-Tape ist noch lange kein Release und ein Manuskript ist auch nur eine Blättersammlung, aber bei weitem noch kein richtiges Buch.

Diese Ausschüttung an Verlage UND Urheber war seit der Gründung der VG Wort im Jahre 1958 so vorgesehen. Damals haben sich Verleger und Autoren zusammengeschlossen und gemeinsam die Satzung ausgearbeitet: 70% der Einnahmen für den Autor, 30% für den Verlag.
Allerdings haben die Gründungsväter der VG Wort einen schwerwiegenden juristischen Fehler gemacht. Denn sie haben einen Absatz nicht so formuliert, wie sie das eigentlich im Sinn hatten. Praktisch haben sie zwar die Verteilung der Gelder über 50 Jahre genau so wie angedacht umgesetzt, aber in der Satzung steht nun mal, dass „die Urheber“ auszahlungsberechtigt sind. Von Verlagen steht da nichts. Niente.

Deshalb hat jetzt ein Autor gegen die VG Wort geklagt, weil die Ausschüttung laut den Satzungen “den Urhebern” zusteht, also nicht nur zu 70% sondern zu 100%. Und nun hat er in der letzten Instanz Recht bekommen.
Die Verlage müssen nun ihren VG Wort Anteil der letzten Jahre zurückzahlen – und für KEINEN Verlag, ob groß oder klein, sind das in der Summe Peanuts! Es geht um signifikante Beträge in einer Zeit, in der haptische Produkte kaum noch gekauft werden und die Zweitnutzungsrechte immer stärker an Bedeutung gewinnen. Einige Verlage werden diesen Schlag nicht überleben. Andere werden sich nur noch auf Werke konzentrieren, die verlässlich  kommerziell verwertbar sind. Der Variantenreichtum an Kulturgütern wird so oder so abnehmen, da man nun NOCH wirtschaftlicher arbeiten muss. Nahezu jeder Verlag hat diese VG-Wort-Gelder in die Produktion neuer Werke gesteckt, jetzt müssen alle die Rolle rückwärts machen und Gelder aus den Produktionen wieder abziehen. Oder, wenn sie ehrlich sind, vielleicht sogar Geld zurückzahlen, was sie gar nicht haben. Dementsprechend sind nicht nur die Verlage die Leidtragenden, sondern auch die Autoren.
Die meisten professionellen Autoren stehen diesem Urteil sehr skeptisch gegenüber, da es die freundschaftliche Allianz von Urheber und Verlag in eine wirtschaftliche Zwangsjacke packt. Noch schlimmer ist, dass es so rüberkommt, als wären Autoren und Verlage unerbittliche Konkurrenten, die gegen- und nicht miteinander arbeiten.

Können sich nun die Autoren wenigstens freuen, weil sie demnächst mehr Geld von der VG Wort bekommen? Leider auch das nicht, denn es gab bereits in Belgien einen ähnlichen Fall: Hewlett-Packard hatte gegen die dortigen VGs geklagt. Weil die Industrie nämlich den Verlagsanteil einsparen wollte. Die Industrie arbeitet schließlich immer sehr wirtschaftlich und spart, wo sie kann. Der Klage wurde stattgegeben und nun wird der Verlagsanteil nicht mehr eingezahlt. Es wird also weniger Geld zum Verteilen geben und der Gewinner ist mal wieder die Großindustrie.

Periplaneta wird die Rückzahlung nicht den Boden unter den Füßen wegreißen. Aber wir würden lügen, wenn es uns nicht tief erschüttert.
Die Politik schmückt sich zwar gerne mit den bunten Federn der Kultur, aber sie macht es uns Verlagen immer schwerer. Wenn Rewe und Edeka trotz Veto des Kartellamts fusionieren wollen, dann schreitet der Wirtschaftsminister ein. Für uns gibt es gerade keinen aktiven Fürsprecher. Verlage und das Kulturgut an sich sind wirtschaftlich einfach zu unbedeutend. Das ist wirklich traurig, weil ein ganzes Ökosystem an Ideen gerade abstirbt. Die ganze Gesellschaft wird am Ende der große Verlierer sein. Und nein, die Selfpublisher werden uns aus diesem kulturellen Debakel nicht retten.

(Beitrag vom 29.04.16 für Periplaneta.com)

Wider die Masse!

Der große, leere Raum, den ich gleich betreten werde, ist noch dunkel. Es ist mein erstes Mal und ich bin zehn Minuten zu früh. Durch die geschlossene Glastür sehe ich ein paar Gestalten, die fast schon hospitalistisch mit den Armen schlenkern. Ich trete ein und rufe ein fröhliches „Hallo“, das von den Betonpfeilern und den kahlen Wänden zurückgeworfen wird. Die Köpfe drehen sich zu mir, man mustert mich, scheinbar habe ich den Ernst der Lage nicht erkannt, denn alle schweigen. Dann fangen sie wieder an, voll konzentriert mit den Armen zu schlenkern.
Ich suche mir eine Ecke, aus der ich den Raum gut überblicken kann, und setze mich auf das Parkett. Die Tür geht auf, es kommen noch ein paar Leute, schweigend, mit schnellen Schritten und mit gesenkten Häuptern. Schon jetzt vollbringen sie mathematische Höchstleistungen, denn zielgenau positionieren sie sich zwischen den anderen mit dem maximal möglichen Abstand zwischeneinander. Es ist mucksmäuschenstill.
Das Neonlicht flackert auf. Es ist so weit. Jetzt geht es los. Eine halbnackte Brasilianerin betritt den Raum, ruft: „Hello, you have to do what I show you! So now: Have FUN!!!“

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In diesem speziellen Fall darf man Angst bekommen, wenn Frauen die Hosen runterlassen – auch als Mädchen.

Sie schaltet die Stereoanlage ein und Sambarhythmen tanzen aus den Boxen.
Ich habe diesen Kurs gewählt, weil mir Tanzen Spaß macht, meine Mitstreiterinnen sehen aber immer noch so aus, als hätte man sie dazu gezwungen. Verbissen lassen sie die Hüften kreisen, wackeln mit zusammengekniffenen Arschbacken im 2/4-Takt und werfen nach Ansage so kokett den Kopf zurück, wie es nur echte deutsche Frauen können, gestählt von Heim und Herd und dem Workout auf der Karriereleiter.
„And make your moves out from your middle! HAVE FUN!!!“, überschreit die Brasilianerin die Musik und tanzt als Einzige nicht wie eine Eisenstange aus Krupp-Stahl. Sie tut mir leid, weil im großen Spiegel sieht sie ja, wie sich das deutsche Elend bewegt, mit Leidenschaft und Lebensfreude haben die zusammengepressten Lippen meiner Mitstreiterinnen jedenfalls nichts zu tun. Also wenn DAS die Tanz-Spaß-Gruppe ist, bin ich froh, dass ich nicht im Hard-Core-Buti-Pimp-Up-Kurs gelandet bin.

Als ich feststellte, dass ich durch das ewige Sitzen am Schreibtisch Rückenschmerzen bekam, hatte ich beschlossen, mich zu bewegen. Außerdem habe ich für ein Wannenbad immer weniger Wasser gebraucht – das ist zwar gut für die Umwelt aber schlecht fürs Ego. Und so reihte ich mich ein in die Gruppe der Selbstoptimierer und verkaufte meinen Körper an ein Fitness-Studio. 11% der deutschen Gesamtbevölkerung quält sich mittlerweile freiwillig und lässt sich von sadistischen Trainern anschreien und zur Schnecke machen.
Und Schuld an diesem Trend hat … Napoleon. Turnvater Friedrich Ludwig Jahn hatte 1810 – in Berlin – den „organisierten Sport“ erfunden; mit der Absicht, eine körperlich fitte Bürgerwehr zu schaffen, um das von Napoleon besetzte Preußen zu befreien.
Heute kämpfen wir allerdings nicht mehr gegen die Franzosen, da sind wir friedlicher geworden. Mittlerweile ist das Fettpolster unser größter Feind.

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Die Rolle / die Röllchen der Frau waren schon zu Rubens Zeiten ein gesellschaftlich brisantes Thema.

Aber das war ja schon immer so: Das „andere“ ist immer mehr sexy als das, was man gerade hat. Rubens üppige Frauen waren deshalb so schön, weil der überwiegende Teil der Bevölkerung ständig befürchten musste zu verhungern. Und im Mittelalter würzten die Feudalherren all ihre Speisen viel lieber mit Honig und Zucker als mit Salz – also auch den Gänsebraten, das Wurzelgemüse und die gebackene Forelle – einfach, um zu demonstrieren, dass man sich das leisten kann. Aber da hatte man noch eine ganz andere Einstellung zum Zucker, schließlich ging man davon aus, dass er den Körper reinige, wohltuend für die Nieren sei und sich hervorragend für die Zahnpflege eigne.

Ja, die wussten es damals einfach noch nicht besser. Aber wir! Nur wenden wir unser Wissen leider gar nicht an. Spätestens seit 1905 wissen wir, dass E=mc² ist – eines der wichtigsten Naturgesetze, das jemals entdeckt wurde. E steht für Energie, m für Masse und c für Lichtgeschwindigkeit. Diese Formel sagt unter anderem, dass Energie in Masse umgewandelt werden kann und umgekehrt. Materie ist also geronnene Energie. Wer jemals eine hochkalorische 1-Kilo-Sahnetorte ganz allein gegessen hat und sich am nächsten Morgen auf die Waage gestellt hat, dem dürfte dieses Prinzip, dass sich Energie in Masse verwandelt, vertraut sein.

Aber ganz ehrlich: Da hab ich jetzt gelogen. Ganz so stimmt das natürlich nicht, weil es sich bei dem Vorgang „Sahnetorte transformiert sich in Hüftgold“ um einen biochemischen Vorgang handelt und nicht um einen physikalischen. Es ist lediglich ein Stoff-Umwandlungsprozess von der einen Masse in eine andere. Einstein hingegen formulierte mit seiner legendären Formel, dass die Sahnetorte quasi in pure Energie zerstrahlt werden kann und nichts als Energie von ihr übrigbleibt. Noch nicht mal so ein bisschen Asche, sondern reine Strahlung in Form von Wärme oder Licht.

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So kann das aussehen, wenn Sahnetorte zerstrahlt

Mit E=mc² birgt ein Kilogramm Sahnetorte so viel Energie in sich, wie bei der Verbrennung von 3 Millionen Tonnen Braunkohle frei wird. 3 Millionen Tonnen Kohle, das entspricht einem Kohleberg von der Größe der Cheopspyramide. Und so eine Menge am Tag nach der Schlemmerei MEHR am Arsch kleben zu haben – also das wäre ja schon sehr unfair. Wir können also froh sein, dass wir Sahnetorten nur biochemisch umwandeln und nicht physikalisch.
Aber trotzdem bleibt bei dieser Formel E=mc² ja noch das c, die Lichtgeschwindigkeit. Und das bedeutet, dass je mehr man einen Körper beschleunigt, um so schwerer wird er und um so mehr Energie benötigt man, um ihn zu bewegen.
Deswegen sind Interstellarflüge mit Lichtgeschwindigkeit auch so unwahrscheinlich. Je schneller ein Raumschiff wird, desto schwerer wird es und um so mehr Energie braucht man, um es zu beschleunigen.

Und genau hier sollte der moderne, körperbewusste Fitnessmensch ansetzen. Mit ein bisschen Wissen und Physik bleibt uns vieles erspart: Je schneller wir uns bewegen, um so schwerer werden wir. Mörderische Fitness-Kurse bringen absolut nichts! Im Gegenteil, wir werden während unseres Workouts auf dem Laufband nur schwerer. Einstein hat‘s bewiesen.
Morgen werde ich mich beim Fitnessstudio wieder abmelden. Wobei …

Einstein bewies schließlich auch, dass Masse Dellen in der Raumzeit verursacht. Die Raumzeit ist das Gummituch und darauf „liegen“ die schweren Objekte wie Sonnen, Planeten und schwarze Löcher. Wenn wir in den Himmel blicken und dort die Sterne glitzern sehen, dann sehen wir zugleich die Orangenhaut des Universums, mit seinen Dellen in der Raumzeit.

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Auch die Erde verusacht unschöne Dellen in der Raumzeit. Hilf mit, die Optik des Universums zu verbessern. Je leichter Du wirst, desto leichter wird die Erde und desto makelloser wird das Universum. Ich kann Dir einen SUPER Tarif in Deinem Fittnessstudio vor Ort vermitteln 😉

Und ist mein Oberschenkel mit seiner Orangenhaut nicht auch ein kleines Abbild des Universums? Und wäre das Universum nicht auch froh, wenn es etwas dagegen tun könnte? Ich muss nur 35 € im Monat zahlen und im Gegensatz zum Weltall, das sich in ganz anderen Dimensionen zu bewegen hat und dementsprechend bestimmt schlechtere Konditionen bei seinem Fitnessstudio vor Ort bekommt, habe ich es wohl noch ganz gut getroffen.

 

Am 26. März ist Indiebookday!

Am 26.03.2016 ist Indiebookday und jeder darf mitmachen!

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Ed. MundWerk

Anlässlich dieses besonderen Tages erscheinen gleich drei ganz besondere Publikationen bei Periplaneta: Auf Teufel komm RauschDie Träne, der Tropfen & das Meer und Nie wieder Frieden von Clint Lukas.
Letzteres durfte ich als Lektorin betreuen und es ist schon jetzt eines meiner Lieblingsbücher – sehr coole Geschichten, farbig illustriertes Hardcover mit CD und – Tataaa!: königsblauem Lesebändchen!!!  🙂

Ich gerate ins Schwärmen und schweife ab … Den Indiebookday gab es erstmals 2013 und wurde vom Mairisch Verlag erfunden, um schönen Büchern aus unabhängigen / kleinen Verlag mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Weil: Auch in der Literatur kommt es nicht unbedingt auf Größe an 😉
Solche Verlage haben meistens ein vergleichsweise schmächtiges Werbebudget und sind selten in den Regalen der Buchhändler zu finden, gelten dafür aber oft als Geheimtipp. Der Indiebookday soll Lesern und Buchhändlern Lust darauf machen, sich Neues zu suchen, sich auf Noch-Nicht-Bekanntes einzulassen.

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edition subkultur

Was sind eigentlich Indie-Verlage?
Einfacher ist es zu sagen, was sie nicht sind, denn es gibt sie in allen Formen, Farben und Genre-Ausrichtungen.
Indie-Verlage gehören zu keinem Konzern, das heißt also, dass sie inhabergeführt sind. Überwiegend wird das verlegt und finanziert, was dem Verleger oder dem Lektoratsteam gefällt und nur selten das, was dem Mainstream ent- oder „das große Geld“ verspricht. Hier findet man also sehr oft Perlen, Neues, Ungewöhnliches, Überraschendes.

Oft werden Indie-Publikationen weitaus penibler lektoriert, liebevoller gestaltet und mit mehr Herzblut herausgebracht als eingekaufte Übersetzungen von großen Verlagen (Peaks nach oben oder unten gibt es aber auf beiden Seiten).

Welche Verlage sind Indies?
Da fällt mir natürlich sofort Periplaneta ein 🙂 Aber Periplaneta ist natürlich nicht der einzige Indie-Verlag. Eine repräsentative Liste gibt es allerdings nicht, da muss sich jeder selbst informieren. Auf der Webseite von Buchmarkt gibt es eine Datenbank, die Auskunft darüber gibt, welche Verlage zu einem Konzern gehören. Wenn der eingegebene Verlagsname nicht auftaucht, dann ist er höchstwahrscheinlich unabhängig.

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Ed. Drachenfliege

Wie kannst Du beim Indiebookday mitmachen?
(Die Anleitung habe ich größtenteils von indiebookday.de übernommen.)
Gehe am 26.03.2016 in einen Buchladen Deiner Wahl und kauf Dir ein Buch. Irgendeines, das Du sowieso gerade haben möchtest oder das Dich interessiert. Wichtig ist nur: Es sollte aus einem unabhängigen/kleinen/Indie-Verlag stammen.
Danach postest Du ein Foto des Covers, des Buches, oder Dich mit dem Buch (oder wie Du magst) in einem sozialen Netzwerk (Facebook, Twitter, Google+) oder einem Blog Deiner Wahl mit #indiebookday.

Es gibt auch eine Facebookseite, auf der Du Deine Bilder posten und die Du „liken“ kannst. Dort findest Du auch viele Aktionen von engagierten Buchhändlern und oder Verlagen rund um den 26.03.16 (im Periplaneta Literaturcafé in Berlin wird übrigens auch gefeiert!).

Wenn Du die Aktion gut findest, erzählt davon. Am besten allen …
Ich habe das hiermit getan 🙂